1810. Der Kundenbrief von Ehinger & Cie.

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Kundenbrief Nº 19

«Die Goldhausse ist Symptom einer gefährlichen Entwicklung.»

Oliver Ehinger / N⁰ 19 / Januar 2026

«Die Goldhausse ist Symptom einer gefährlichen Entwicklung.»

Bei der Durchsicht der Zeitungsartikel, die mich interessieren und die ich mir in den letzten Monaten herausgeschnitten habe, haben sich zwei Häufchen gebildet. Das eine handelt von KI, Börsenblase und der Frage, wie nah wohl eine Korrektur der Börsen ist. Und das andere dreht sich eher um das Phänomen der finanziellen Repression, der staatlichen Verschuldung und der Goldhausse. Während sich erstere Frage zu Recht viele Anleger, Banken und Analysten stellen, aber ehrlicherweise keine Antwort darauf wissen, bezieht sich letztere auf den ganz grossen Elefanten im Raum, den die meisten Leute nicht wirklich wahrnehmen. Aber es ist derjenige Aspekt, der mir sehr viel mehr Sorgen bereitet.

Die Schweizer Politik ist Symptom davon. Man nimmt zwar die Initiative für eine 13. AHV-Rente an, die Finanzierung wird aber offengelassen. Eine Mehrheit weiss und befürwortet, dass das Militär gestärkt werden muss, aber man schafft es nicht einmal, den ordentlichen Staatshaushalt im Lot zu halten, geschweige denn das notwendige Geld für die Aufrüstung aufzubringen. Keine Interessengruppe ist sich zu schade, sich auf Kosten anderer zu bedienen. Und alle kämpfen um den Erhalt ihrer Privilegien oder Pfründen. Schlimmer noch in Frankreich: Das Haushaltsdefizit beträgt seit Jahren 5% oder mehr, aber man verweigert sich jeglicher Kürzung oder Reform. Dass das französische Rentensystem untragbar ist und den Staat in den Ruin treibt, kümmert die Bevölkerung nicht.
Ähnlich in den USA: Man gibt Geld aus, als gäbe es kein Morgen. Mit Sparen ist offenbar keine Wahl zu gewinnen! Aber dass man die Substanz und das Vertrauen aufzerrt, welches das Land in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat, kümmert nicht. Es ist absehbar, dass wir früher oder später wieder mit einer ganz grossen Staatsschuldenkrise konfrontiert sein werden. Nur mit dem Unterschied, dass es dann nicht um ein kleines Land wie Griechenland geht, sondern um die grossen Industrieschwergewichte. Man darf davon ausgehen, dass sich die Notenbanken dagegenstemmen werden. Sie werden gezwungen sein, die Zinsen tief zu halten, damit die Staaten die Schulden bedienen können. Doch wenn die Zinsen tiefer sind als die Inflation, dann verlieren alle Sparer, Rentner, Pensionskassen und Versicherungen langsam, ohne es kurzfristig wahrzunehmen, ihre Kaufkraft. Das nennt man «finanzielle Repression».
Die leise Bestätigung dieses nicht gerade erbaulichen Szenarios, welches auch mit dem schleichenden Vertrauensverlust in die diversen Währungen einhergeht, ist der stete Anstieg des Goldpreises, und in dessen Schlepptau auch des Silber- oder Platinpreises.
Ich habe inzwischen ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich meine Leserschaft mit diesen düsteren Perspektiven konfrontiere, anstatt ihr alles Gute für das neue Jahr zu wünschen. Das möchte ich hiermit von Herzen tun.